Bericht

Umgestaltet, um zu gestalten

Matthias Ackermann

Eröffnungs- und Diplomfeier, Stadtkirche Aarau, TDS Aarau, Sonntag 28. August 2022

Das Motto zur Feier wurde von der Diplomklasse gewählt: «Umgestaltet, um zu gestalten». Es fasst zusammen, was ihnen durch die Ausbildung am TDS geschah - und womit sie nun im Beruf beauftragt sind.

Gute Stimmung zieht sich durch den ganzen Nachmittag. Ist es wegen dem Wetter? Ist es die volle Kirche? Die Freude, dass nach zwei Feiern mit Einschränkungen nun wieder frei gefeiert werden kann?

Feiern und Staunen

Wie immer: Die Diplomklasse ist in Feierlaune, die Klasse I staunt ob der grossen Welt, der TDS-Familie und -Kultur, in welche sie soeben eingetaucht ist.

Ein Instagram-Kanal der Klasse I wird an die Leinwand projiziert und stellt uns die neuen Studierenden vor. Dabei erfahren wir Herkunft und Eigenschaften: #IchmachegernedenerstenSchritt, #LeidenschaftfürWorte&tiefeGespräche, #Barfuss, #hilfsbereit,  und #ichkannnichtneinsagen. Das wird eine spannende Truppe, denkt man sich. Die nächsten vier Jahre werden intensiv, vielseitig und die Gemeinschaft wird so manchen Charakter schleifen ... Ganz nach TDS-Art.

Die neue Klasse I stellt sich vor und ist gespannt-freudig auf die TDS-Reise.

Mehr Möglichkeiten – weniger Freiheit

Der Theologe Dr. Oliver Dürr wurde von der Diplomklasse eingeladen für die Festpredigt. Aufmerksam auf ihn wurden Studierende durch den Podcast «Glaube und Gesellschaft», wo Dürr mit zwei Kollegen und Gästen über Gott und die Welt diskutiert.

Dr. Oliver Dürr, Theologe, Podcaster und Transhumanismus-Experte

In Bezug auf das Motto der diesjährigen Feier erläutert er kurz, worauf der Transhumanismus (übrigens eines seiner Spezialgebiete) hinaus will: «Er will den Menschen befreien zu dem, was er sein möchte. Die Haltung ist: Wissenschaft und Technik müssen dem Menschen zudienen, seine Wünsche erfüllen.» Dass ein solches Konzept mehr Gestaltungsfreiheit ermöglicht, hinterfragt Oliver Dürr. «Die totale Freiheit kann auch anstrengend sein. Einschränkungen, Vorgaben, Leitlinien können mir helfen, mich frei zu bewegen.» Der Glaube an Gott sei so ein Beispiel: Von Aussenstehenden oft als einengend eingestuft, von Gläubigen als Freiheit empfunden. Oder eine vorgegebene Gebetsliturgie: Von den einen als Einschränkung gesehen («nicht authentisch, nicht frei»), von vielen als hilfreich empfunden («Wenn einem die Worte fehlen, können z. B. Psalmen eine Stütze sein»). Oliver Dürr schliesst mit einer eindrücklichen Bildbetrachtung. Mena wird von Christus beauftragt, die Welt zu segnen und zu gestalten. «Menas Arm ist quasi der verlängerte Arm von Christus, der ihn hält – und gleichzeitig geht Christus auch voran.» In diesem Sinne ermutigt Dürr die Diplomklasse in ihrer Berufung, die Welt zu gestalten. «Diese Berufung ist eingebettet in das, was Christus getan hat, und in das, was er tun wird.»

Befreit zum Dienen

«Die Zeit des Umgestaltetwerdens ist vorbei». Rektor Christoph Schwarz leitet über zur Diplomübergabe. Eine Aus-Bildung bringe ein Bild hervor – welches? «Die Bibel lädt uns ein, Jesus ähnlicher zu werden.» In diesem Sinne gehe die Entwicklung weiter, auch wenn wir uns heute darüber freuen dürfen, was die letzten vier Jahre aus euch gemacht haben.

Christus Schwarz freut sich darüber, was die letzten Jahre mit den Diplomierten gemacht haben.

Als Zeichen einer Zeit des Umgestaltetwerdens sind die Diplomierten lange Zeit eingehüllt in einen «Kokon» aus weissem Seidenpapier. Vor der Diplomübergabe entledigen sie sich dieses Kostüms und symbolisieren damit ihre «Befreiung» zum Dienen – ein eindrucksvoller Moment. Im Anschluss an die Diplomübergabe scheinen sie dann endgültig befreit und feiern ihren Abschluss tanzend unter Konfettiregen.

Matthias Ackermann ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des TDS Aarau.

Die Diplomklasse wie an ihrer Eröffnungsfeier damals, aber um wichtige vier Jahre gereift.
Die neue Klasse I